Aber – Und!

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Stellen Sie sich vor, Sie legen Ihrem Partner/ Ihrer Partnerin heute Abend eines Ihrer selbst gemalten Bilder vor. Sie sind richtig stolz auf das Ergebnis, haben Sie doch alle Energie und Ihr Können in dieses Werk gelegt. Nun sind Sie ganz gespannt auf das Feedback und Sie hören: „Ganz schön, dein Bild,  aber die Stimmung ist so bedrückend“.

Pause. Man kann die Enttäuschung fast mit Händen greifen. Schlagartig entweicht die freudige Erwartung aus Ihren Augen. Sie hatten gehofft, es käme zu einem anregenden Austausch über Motiv, Technik oder Farbgebung. Allen Fragen könnten Sie stolz und fachkundig standhalten. Der Abend würde vielleicht bei einem Gläschen Wein einen zufriedenen Ausklang finden. – Stattdessen legt sich die vom Betrachter erwähnte bedrückende Stimmung auf Ihr eigenes Gemüt! Der Abend ist gelaufen.

Aufgepasst! Manchmal ist jetzt in Beziehungen Gefahr in Verzug! Der Zeitpunkt für einen handfesten Krach scheint ideal. Es ließen sich nun problemlos etliche Unzufriedenheiten in dieser Unstimmigkeit unterbringen, die weit über Maltechnik, Farben und Motive hinausgehen. Es könnte die Zeit sein, mal so richtig auszuholen, beleidigt zu sein oder gar sich in Rage zu reden, bis der Kopf hochrot anläuft. – Sie merken, ich weiß, wovon ich rede.

Was ist eigentlich passiert? Wie immer im Leben, sind es manchmal die kleinen und unscheinbaren Dinge, die das Leben schwermachen. Es ist das kleine Wörtchen „aber“, das einen Abend so gründlich verderben kann.

Benutzt man ein „Aber“ nach einer Aussage, um den nächsten Halbsatz einzuleiten, bedeutet dies gewöhnlich, dass die erste Aussage damit aufgehoben ist: „Ein schönes Bild, aber…“. Hier ahnt man schon, dass gleich ein vernichtender Kommentar folgt.

Das „Aber“ verführt unser Gehirn dazu zu denken, nur eine der beiden Optionen sei richtig. In der Kommunikation soll mit einem „Aber“ oft eine negative Botschaftin eine positive eingebettet werden und quasi durch die positive Botschaft die negative verdeckt werden. Klappt aber nur mäßig.

Ersetzt man allerdings das „Aber“ durch ein „Und“, sieht die Sache schon ganz anders aus. Das “Und“ schafft die Verbindung, die das „Aber“ verwirkt. „Ganz schön, dein Bild, und mit ein paar Gelbakzenten hellt sich die Stimmung sogar noch auf“. –  So kann der Abend noch zu einem anregenden Erfolg werden. Nun ist durch ein entspanntes Gespräch eine konstruktive Auseinandersetzung möglich. Die Gedanken beider Betrachter können wachsen. So entstehen der Mut und die Lust, Ideen weiterzuentwickeln. Das ist der Nährboden für Kreativität, Entwicklung und Veränderung.

Von dieser Stelle aus rufe ich uns allen beherzt zu: Lassen wir uns durch die dämpfenden „Abers“ nicht die Laune verderben! Nutzen wir die Möglichkeiten, die in vielen kleinen „Unds“ stecken. Zeigen wir einander, was in uns steckt an Kreativität und Lust auf Neues. Das macht unseren Alltag ein gutes Stück freundlicher und optimistisch!

Bettina Bockwoldt, Beraterin der Lebensberatung im [ka:punkt]

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