Kategorie: Auf den Punkt gebracht

Möge dein Himmel blau sein

Segenswünsche aus Irland sind eine Wohltat, weil sie so lebenspraktisch und geerdet sind. Und der Oktober ist eine gute Zeit, sich so einen Segenswunsch einmal zusprechen zu lassen. Ein bisschen in der Wende von draußen nach drinnen, von Fülle zu Bescheidenheit, von hell nach dunkel und von laut nach leise. Eine Zeit, wieder etwas besinnlicher zu werden, Worte auf sich wirken zu lassen, Träumen und Sehnsüchten nachzuhängen.

Mögen deine Himmel blau sein,
mögen deine Träume wahr werden,
mögen deine Freunde wahrhaft Freunde sein,
mögen Glück und Lachen deine Tage ausfüllen.

Dass jede Gabe, die Gott dir schenkt, mit dir wachse und
dir dazu diene, denen Freude zu schenken, die dir begegnen.

Dass du immer einen Freund hast, der es wert ist, so zu heißen,
dem du vertrauen kannst, der dir helft, wenn du traurig bist,
der mit dir gemeinsam den Stürmen des Alltags trotzt.

Und noch etwas wünsche ich dir:
Dass du in jeder Stunde der Freude und des Schmerzes
die Nähe Gottes spürst – das ist mein Wunsch für dich
und für alle, mit denen du verbunden bist.

Das ist mein Wunsch für dich – heute und alle Tage.

Irischer Segenswunsch

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Kategorie Auf den Punkt gebracht

Alles ganz anders

Urlaub im Urwald 

Ich gehe im Urwald für mich hin…
Wie schön, dass ich im Urwald bin:
man kann hier noch so lange wandern
ein Urbaum steht neben dem andern.
Und an den Bäumen, Blatt für Blatt,
hängt Urlaub. Schön, dass man ihn hat.
(Heinz Erhard)

Mich hat dieses Gedicht erst einmal verwirrt und dann habe ich herzhaft geschmunzelt. Ur-Laub hängt an den Bäumen. Wie herrlich, einmal ganz anders zu denken, wie erfrischend, sich gedanklich aus der Bahn werfen zu lassen. Ein echter Gegensatz zu dem, was ich aktuell auch erlebe. Aus der Bahn geworfen – ja, aber eher belastend: neue Hygieneregeln beachten (Oh je, schon wieder nicht dran gedacht, in die Armbeuge zu niesen), neue Verhaltensweisen antrainieren (Mist, die Maske liegt noch im Auto – also wieder zurück). Stress, Last, keine Leichtigkeit.

Wenn der/das Ur-Laub an den Bäumen hängt kann man sich am Urlaub erfreuen und reichlich davon pflücken. Urlaub ist freie Zeit. Vielleicht haben Sie freie Zeit auch ohne Urlaub zu haben. In jedem Fall ist frei Zeit eine Gelegenheit, einmal ganz anders zu achten, zu denken, zu handeln.

Nehmen Sie sich Zeit und suchen Sie sich einen Platz in der Natur. Schließen Sie die Augen und lauschen Sie den Geräuschen um sich herum. Was klingt nah, was klingt fern? Wo rauschen die Blätter, wo hören sie die Geräusche der Straße? Welches Geräusch ins angenehm, welches weckt Erinnerungen?

Suchen Sie sich einen anderen Platz, einen, der Ihnen ein schönes Motiv für Ihre Augen bietet: Wolken am Himmel, Menschen im Café, ein schöner Garten. Nehmen Sie das Bild in sich auf, achten Sie auf Details, schließen Sie die Augen und nehmen sie das Bild in sich hinein. Es gehört Ihnen und Sie können es jederzeit wieder hervorholen mit Ihrem inneren Auge.

Für mich ist es immer eine kleine Auszeit, wenn es mir gelingt, mich in einen solchen Augenblick zu vertiefen und für einen Moment nur Vogelgezwitscher zu hören oder nur Wolken zu sehen. Ur-Laub eben.

Jutta Johannwerner

Aber – Und!

Stellen Sie sich vor, Sie legen Ihrem Partner/ Ihrer Partnerin heute Abend eines Ihrer selbst gemalten Bilder vor. Sie sind richtig stolz auf das Ergebnis, haben Sie doch alle Energie und Ihr Können in dieses Werk gelegt. Nun sind Sie ganz gespannt auf das Feedback und Sie hören: „Ganz schön, dein Bild,  aber die Stimmung ist so bedrückend“.

Pause. Man kann die Enttäuschung fast mit Händen greifen. Schlagartig entweicht die freudige Erwartung aus Ihren Augen. Sie hatten gehofft, es käme zu einem anregenden Austausch über Motiv, Technik oder Farbgebung. Allen Fragen könnten Sie stolz und fachkundig standhalten. Der Abend würde vielleicht bei einem Gläschen Wein einen zufriedenen Ausklang finden. – Stattdessen legt sich die vom Betrachter erwähnte bedrückende Stimmung auf Ihr eigenes Gemüt! Der Abend ist gelaufen.

Aufgepasst! Manchmal ist jetzt in Beziehungen Gefahr in Verzug! Der Zeitpunkt für einen handfesten Krach scheint ideal. Es ließen sich nun problemlos etliche Unzufriedenheiten in dieser Unstimmigkeit unterbringen, die weit über Maltechnik, Farben und Motive hinausgehen. Es könnte die Zeit sein, mal so richtig auszuholen, beleidigt zu sein oder gar sich in Rage zu reden, bis der Kopf hochrot anläuft. – Sie merken, ich weiß, wovon ich rede.

Was ist eigentlich passiert? Wie immer im Leben, sind es manchmal die kleinen und unscheinbaren Dinge, die das Leben schwermachen. Es ist das kleine Wörtchen „aber“, das einen Abend so gründlich verderben kann.

Benutzt man ein „Aber“ nach einer Aussage, um den nächsten Halbsatz einzuleiten, bedeutet dies gewöhnlich, dass die erste Aussage damit aufgehoben ist: „Ein schönes Bild, aber…“. Hier ahnt man schon, dass gleich ein vernichtender Kommentar folgt.

Das „Aber“ verführt unser Gehirn dazu zu denken, nur eine der beiden Optionen sei richtig. In der Kommunikation soll mit einem „Aber“ oft eine negative Botschaftin eine positive eingebettet werden und quasi durch die positive Botschaft die negative verdeckt werden. Klappt aber nur mäßig.

Ersetzt man allerdings das „Aber“ durch ein „Und“, sieht die Sache schon ganz anders aus. Das “Und“ schafft die Verbindung, die das „Aber“ verwirkt. „Ganz schön, dein Bild, und mit ein paar Gelbakzenten hellt sich die Stimmung sogar noch auf“. –  So kann der Abend noch zu einem anregenden Erfolg werden. Nun ist durch ein entspanntes Gespräch eine konstruktive Auseinandersetzung möglich. Die Gedanken beider Betrachter können wachsen. So entstehen der Mut und die Lust, Ideen weiterzuentwickeln. Das ist der Nährboden für Kreativität, Entwicklung und Veränderung.

Von dieser Stelle aus rufe ich uns allen beherzt zu: Lassen wir uns durch die dämpfenden „Abers“ nicht die Laune verderben! Nutzen wir die Möglichkeiten, die in vielen kleinen „Unds“ stecken. Zeigen wir einander, was in uns steckt an Kreativität und Lust auf Neues. Das macht unseren Alltag ein gutes Stück freundlicher und optimistisch!

Bettina Bockwoldt, Beraterin der Lebensberatung im [ka:punkt]

Mein Weg zur Arbeit – heute mal ganz anders!

Es ist 8.30 Uhr, das Frühstück war gut. Normalerweise fahre jetzt mit dem Fahrrad zum Bahnhof, dann weiter mit dem Zug nach Hannover und zu Fuß geht’s dann zum [ka:punkt]. Zugfahren fehlt mir nicht wirklich, die Bewegung dafür umso mehr. Mir tut es gut, morgens mit dem Rad zu fahren. Das hilft mir wach zu werden. Es ist schön, den Fahrtwind auf der Haut zu spüren.

Nach einer Woche Autofahren und den ersten Tagen am privaten Schreibtisch zuhause habe ich heute entschieden, wieder „zur Arbeit zu gehen“. Das Wetter ist wunderbar, die Sonne scheint. Es ist noch leicht gefroren. Also nichts wie los. Schon bin ich hinter unserem Haus. Noch kurz durchs Viertel und das Feld und der Hügel liegen vor mir. Welch ein Luxus!

Das geht in der Stadt nicht ganz so schnell. Wenn Sie möchten, kommen Sie in Gedanken gerne mit. Ich habe eh gerade an Sie und Euch, an die Menschen, die tagtäglich in den [ka:punkt] kommen und die, die unserem Haus eng verbunden sind, gedacht. „Liebe Grüße und A Dios!“

Hören sie auch die Stille morgens in der Stadt – und so früh ist es doch jetzt gar nicht mehr. Momentan fahren kaum Autos, man begegnet keinen oder nur wenig Menschen.

Gerade habe ich den Feldweg erreicht. Es geht bergan und mein Schritt ist zügig. Schnell wird mir warm. Die Nasenspitzte ist ganz kalt. Doch das macht nichts. Die Luft ist sauber, klar, ein wenig eisig. Atmen tut gut! Es macht Freude, so richtig durch zu schnaufen und alles auszuatmen.

Probieren Sie das doch auch mal aus, vielleicht morgen an Ihrem offenen Fenster! Vielleicht finden Sie ja Gefallen an der kleinen Sauerstoffdusche zu Beginn des Tages oder mal zwischendurch!

Ich gehe weiter. Die Sonne erleuchtet die Natur, die Farben sind unglaublich intensiv. Alles liegt in einem zauberhaften Licht. Auf Höhe der Schafweide stoppe ich kurz – ein Foto für Sie und Euch.

Ich bin so froh, dass ich mich aufgerafft habe und wirklich zu meinem Arbeitsplatz gehe. Es fühlt sich ganz anders an, wenn ich mich vorher richtig bewegt habe und nicht nur den Raum wechsele. Und so ganz nebenbei werde ich auf diesem Weg sogar noch mit wunderschönen Bildern der Natur beschenkt. Mir hilft das aufzutanken.

Noch ein paar Meter weiter und ich bin oben angekommen. Jetzt begegnet mir der erste Mensch, ein Läufer. Ganz schön schnell ist der. Ich hingegen versuche das Tempo zu reduzieren, gönne mir einen Blick über die Stadt, die noch im Dunst liegt.

Dankbarkeit spüre ich und ich fühle mich gestärkt und gewappnet, im wahrsten Sinne des Wortes in Richtung Dunst zu gehen. Doch damit kommen auch wieder all die Fragen. Die möchte ich jedoch noch gar nicht hören. Jetzt gehe ich! Auf Fragen suche ich nachher wieder Antworten! Tatsächlich hilft mir das Ausatmen dabei, mich wieder auf den Weg zu konzentrieren. Gut hinstellen, einatmen und ganz tief ausatmen, so lange, bis fast nichts mehr geht. Hat geholfen! Ich sehe die Schlüsselblumen, die von der nächtlichen Kälte noch ganz schlapp sind. Ich sehe Motive, die ich für meine Kartensammlung fotografiere. Ich sehe ganz viel Schönes in der momentan auf den Kopf gestellten Welt. Danke!

Schon stehe ich wieder vor meiner Haustür! Der Weg tat gut und vielleicht kann ich mich später davon überzeugen, auf diese Weise den Rückweg anzutreten. Darauf hoffe ich!

Kopf hoch

Sie haben Stress? Und man sieht es Ihnen auch an? Sie ärgern sich? Und das merkt man auch?
Na klar, denken Sie vielleicht, schließlich drücken wir mit unseren Körper aus, was in der Seele gerade los ist. Stimmt, denn der Gemütszustand beeinflusst unseren Körper. Und so laufen wir mit hängenden Schultern oder knallrotem Kopf herum. Aber umgekehrt geht es genau so: Wir können mit unserer Körperhaltung unsere Stimmung beeinflussen. Versuchen Sie es einmal: Kopf hoch!
Dadurch verändert sich Ihre Stimmung sofort. Denn der Atem fließt leicht und gelöst und der ist wesentlich für Ihr Wohlgefühl. Sie fühlen sich kraftvoller und energiegeladener. Brust raus! Mit der Schulter die Brust ein wenig herausstrecken – und Sie sind gleich 5 cm größer und wirken breiter. Ein ganz anderes Lebensgefühl. Denn wieder gibt es mehr Luft und das bedeutet: Besser denken, besser fühlen. Mein Vater hat diese Maßnahmen in einem Satz zusammengefasst, der mich mein Leben lang begleitet: Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist! Versuchen Sie es einmal!
Jutta Johannwerner