Partnerschaft – Lassen Sie sich nicht überfluten!

Kennen Sie das? Wie aus dem Nichts wird aus einem Gespräch ein Streit. Ein Wort gibt das andere und am Ende fühlen beide sich schlecht und unverstanden. Wie konnte das passieren? Der amerikanische Paarforscher John Gottmann hat über Jahrzehnte Paare beobachtet und daraus interessante Schlüsse für das Gelingen und das Misslingen von Liebesbeziehungen gezogen. Für ihn ist die Überflutung mit negativen Gefühlen der Hauptgrund, der dazu führt, dass unser Gespräch einen unguten Verlauf nimmt.

Häufig ist es so, dass Streit zumindest bei einem der Partner zu Stress führt, der sich auch körperlich wahrnehmen lässt: Der Herzschlag beschleunigt sich, die Muskelspannung steigt, der Mund wird trocken… – der Körper ist auf eine Kampf- oder Fluchtreaktion programmiert. Die Teile unseres Gehirns, die uns ermöglichen, uns in den anderen hinein zu versetzen, sind lahmgelegt. Der Sinn für Humor geht verloren und die Fähigkeit zuzuhören oder gemeinsam Probleme zu lösen sind ausgeschaltet.

Es gibt Schöneres als Streit

Es gibt Schöneres, als sich über Kleinigkeiten oder Grundsatzfragen aufzuregen. Manchen Paaren dient das Streiten dazu, überhaupt miteinander im Kontakt zu sein und sich die Aufmerksamkeit des anderen zu sichern. Doch die Kollateralschäden sind auf Dauer zerstörerisch.

Vorwurfsvolle Kritik, Rechtfertigung und Gegenangriff, verächtliche Ironie oder Mauern und Rückzug sind für den Paarforscher Gottmann die „apokalyptischen Reiter“, die das drohende Ende einer Beziehung ankündigen. Wenn sie am Horizont auftauchen, ist es höchste Zeit, einen Ausweg aus dem Teufelskreis von Kampf und Rückzug zu suchen.

Aber wie lässt sich die Überflutung mit negativen Gefühlen verhindern?

Zunächst sollten wir uns fragen, ob wir so weitermachen wollen. Wenn wir uns bewusst entscheiden, freundschaftlicher miteinander umzugehen und den anderen nicht als Gegner zu betrachten, stehen uns verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.

Fragen Sie sich: Ist der Zeitpunkt günstig, einen Streitpunkt anzusprechen? Finden Sie einen sanften Einstieg! Beginnen Sie nicht mit einem Vorwurf oder einer Kritik, sondern sprechen Sie von sich, von ihren Wünschen und Bedürfnissen. Hören Sie sich gegenseitig zu, ohne schon Gegenargumente zu überlegen oder in Rechtfertigung zu verfallen. Zunächst geht es nur um das Verstehen, nicht um die Problemlösung! Übernehmen Sie Verantwortung für Ihren Beitrag zum Konflikt und akzeptieren und erwidern Sie versöhnliche Zeichen.

Schützen Sie sich vor Überflutung!

Unterbrechen Sie das Gespräch, wenn Sie merken, dass Sie von unangenehmen Gefühlen überflutet werden und machen Sie einen Vorschlag, wann Sie das Gespräch wiederaufnehmen können. Tun Sie bis dahin – für sich oder auch gemeinsam – etwas, das Ihnen hilft sich zu beruhigen und den Stress herunterzufahren.

Es ist nicht einfach, aus verfestigten Streitmustern auszusteigen. Aber es ist möglich!

Falls es Ihnen schwerfällt, finden Sie in der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Unterstützung. Wir bieten auch Kommunikationstrainings für Paare an, die sich eine liebevollere Gesprächskultur wünschen.

(Gregor Branahl)

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