Schlagwort: Gespräch

Wir verstehen uns – Ein Pfingstgefühl

Wenn einer sagt: „Ich versteh dich nicht!”, dann kann es sein, dass er meint: „Sprich bitte lauter – du bist zu leise für mich.“ Wenn ich in Bayern Urlaub mache, kann es sein, dass ich
nichts verstehe, weil ich den bayerischen Dialekt einfach nicht kenne.
Wenn ich mit Jugendlichen ins Gespräch komme, merke ich schnell: Die haben ihre eigene Sprache und ich brauche Übersetzungshilfe.
Manch einer sitzt im Gottesdienst und fragt sich: Was sollen diese Worthülsen nur bedeuten, wovon spreche die hier eigentlich?
Wenn Menschen sich eingestehen: Wir verstehen uns nicht (mehr), dann ist das wie eine Kapitulation.

Verständigung ist eine schwierige Sache: sich zu verstehen eine noch größere Herausforderung. In der Apostelgeschichte wird in der Pfingst-Erzählung genau
dies zum Thema macht. Das Wunder, von dem berichtet wird, ist, dass die Menschen sich verstehen: Egal wo sie herkommen, egal, welche Sprache sie sprechen: Sie verstehen
sich. Jeder kann reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und er spürt: Was ich sagen will, kommt an.

Das gilt auch für die, die sich ängstlich verschanzt hatten. Nun gehen sie auf die Straße und erzählen und der Funke springt über. Was die Jüngerinnen und Jünger damals erlebt haben,
ereignet sich auch heute: Immer, wenn jemand sagt: „Ich kann dich gut verstehen“, oder Menschen sich zusprechen: “Wir verstehen uns“, ist es ein Gefühl wie Pfingsten. Immer wenn es
ein Gefühl von Zusammengehörigkeit gibt, eine gemeinsame Begeisterung, ein Gefühl von Gemeinschaft – dann erleben wir einen Zipfel vom Pfingstgefühl.

Jutta Johannwerner