Schlagwort: Urlaub

“Wenn ich den See seh, brauch ich kein Meer mehr…”

„Reisen meint weder das Verlassen des Heimes noch der Heimatstadt, noch des sogenannten Vaterlandes. Reisen meint vor allem: das Verlassen der Gewohnheit.

Günter Kunert –

Bei uns hat die Ferienzeit begonnen. Haben Sie Ihre Tasche auch schon gepackt? Endlich raus, aus dem Alltag; es war ja auch anstrengend genug! Seit Monaten alles unter erschwerten Bedingungen im Beruf, im Privatleben, in der Schule. Wie kann ich da jetzt einmal abschalten, Luft holen, mich unbeschwert und leicht fühlen? An welchem Ort geht das und wie geht das? Ich vermute einmal, das sind Fragen, mit denen Sie sich beschäftigt haben in den letzten Wochen. Silke Weinig hat einmal Erholungstypen klassifiziert:

 Der kulturelle Entspannungstyp

Sie entspannen sich gut bei Literatur, Musik.,Kunst und Kultur. Der Besuch von Museen und Ausstellungen, Theater, Konzerten oder Vorträgen bringt Sie auf andere Gedanken, oder das Lesen, Schreiben, Fotografieren, Malen, Zeichnen. Besuchen Sie Kurse!

Der aktive Entspannungstyp

Nichtstun fällt Ihnen eher schwer. Am besten schalten Sie ab, wenn Sie etwas tun. Werkeln Sie etwas oder arbeiten Sie im Garten, wenn Sie einen haben, sogar Aufräumen kann entspannend sein. Probieren Sie neue Rezepte aus! Beim Wandern, Wassersport, Radfahren usw. sind Sie in Ihrem Element.

Der sportliche Entspannungstyp

Sie entspannen sich am besten, wenn Sie sich so richtig auspowern. Gleichgültig, welche Aktivität es ist, Sie brauchen Herausforderungen.

Der gesellige Entspannungstyp

Sie fühlen sich so richtig wohl, wenn Sie mit anderen zusammen sind. Dabei übernehmen Sie gerne auch Aufgaben mit anderen und für andere. Sie finden Entspannung in einer sozialen Aufgabe, geselligen Veranstaltungen, Gruppenausflügen.

Der Wellness Entspannungstyp

Sie mögen es, Körper und Geist zu verwöhnen. Sie entspannen sich gerne in der Badewanne, in der Sauna, am Strand, am See, im garten – überall, wo es ruhig ist und zum „Wegdösen“ einlädt.

Haben Sie sich darin irgendwo wiedergefunden? Und haben Sie Ihren „Typ“ bei der Planung berücksichtigt? Egal, ob Sie wegfahren oder zuhause bleiben, ein paar Basics können Sie überall berücksichtigen:

  • Sperren Sie alle Themen die mit Arbeit/ den gewohnten Alltag zu tun haben in einen „Schrank“ und holen Sie alles erst am Ende wieder hervor. Distanzieren Sie sich psychisch (so) von Ihrem Arbeitsalltag für die Dauer Ihres Urlaubs.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie genügend Schlaf bekommen. Das kann auch ein Power-Nap im Laufe des Tages sein – so, wie es Ihren Bedürfnissen am besten entspricht.
  • Bewegung ist wichtig. Die Seele entspannt sich mit körperlicher Anstrengung.
  • Lenken Sie Ihr Interesse, ihre Aufmerksamkeit auf etwas Neues. Lernen Sie im Urlaub etwas Neues oder probieren Sie etwas Neues aus.
  • Seien Sie achtsam und versuchen sie, das, was Ihnen gerade begegnet mit allen Sinne aufzunehmen: beim Spaziergang am Strand, im Wald, beim Stadtbummel – selbst im Supermarkt.
  • Durchbrechen Sie Ihren gewohnten Alltagsrhythmus – machen Sie auf jeden Fall etwas anders!

So kann es für Sie entspannend und erholsam werden. Jedenfalls wünschen wir es Ihnen sehr und vielleicht kann ja auch ein Kaffee im ka:punkt dazu gehören.

P.S.: Dies alles gilt übrigens nicht nur für den Urlaub, sondern auch für die Freizeit im Alltag!

Jutta Johannwerner

ist Leiterin des ka:punkt und der Beratungsstelle im Forum.

Sie reist und fotografiert gerne, freut sich an schönen Dingen und an den Menschen, denen sie begegnet.

Alles ganz anders

Urlaub im Urwald 

Ich gehe im Urwald für mich hin…
Wie schön, dass ich im Urwald bin:
man kann hier noch so lange wandern
ein Urbaum steht neben dem andern.
Und an den Bäumen, Blatt für Blatt,
hängt Urlaub. Schön, dass man ihn hat.
(Heinz Erhard)

Mich hat dieses Gedicht erst einmal verwirrt und dann habe ich herzhaft geschmunzelt. Ur-Laub hängt an den Bäumen. Wie herrlich, einmal ganz anders zu denken, wie erfrischend, sich gedanklich aus der Bahn werfen zu lassen. Ein echter Gegensatz zu dem, was ich aktuell auch erlebe. Aus der Bahn geworfen – ja, aber eher belastend: neue Hygieneregeln beachten (Oh je, schon wieder nicht dran gedacht, in die Armbeuge zu niesen), neue Verhaltensweisen antrainieren (Mist, die Maske liegt noch im Auto – also wieder zurück). Stress, Last, keine Leichtigkeit.

Wenn der/das Ur-Laub an den Bäumen hängt kann man sich am Urlaub erfreuen und reichlich davon pflücken. Urlaub ist freie Zeit. Vielleicht haben Sie freie Zeit auch ohne Urlaub zu haben. In jedem Fall ist frei Zeit eine Gelegenheit, einmal ganz anders zu achten, zu denken, zu handeln.

Nehmen Sie sich Zeit und suchen Sie sich einen Platz in der Natur. Schließen Sie die Augen und lauschen Sie den Geräuschen um sich herum. Was klingt nah, was klingt fern? Wo rauschen die Blätter, wo hören sie die Geräusche der Straße? Welches Geräusch ins angenehm, welches weckt Erinnerungen?

Suchen Sie sich einen anderen Platz, einen, der Ihnen ein schönes Motiv für Ihre Augen bietet: Wolken am Himmel, Menschen im Café, ein schöner Garten. Nehmen Sie das Bild in sich auf, achten Sie auf Details, schließen Sie die Augen und nehmen sie das Bild in sich hinein. Es gehört Ihnen und Sie können es jederzeit wieder hervorholen mit Ihrem inneren Auge.

Für mich ist es immer eine kleine Auszeit, wenn es mir gelingt, mich in einen solchen Augenblick zu vertiefen und für einen Moment nur Vogelgezwitscher zu hören oder nur Wolken zu sehen. Ur-Laub eben.

Jutta Johannwerner